Hedwig Dohm (1831-1919)


Themen und Zitate von Hedwig Dohm

Nicht nur Dohms Werk ist umfangreich, umfangreich sind auch die Themen, die sie - je nach Genre - stilistisch und konzeptionell zwar höchst unterschiedlich bearbeitet, die aber stets dem einen Ziel dienen: der rechtlichen, sozialen und ökonomischen Chancengleichheit für Frauen. So forderte Dohm neben Bildung und Ausbildung für Frauen die freie Wahl eines Berufs, dessen Ausübung die finanzielle Selbständigkeit sichern und Frauen vom Los der "Ehe als Beruf" erlösen sollte.
Dohm analysierte die bestehende Eheform und problematisierte die Idealisierung von Mutterschaft, die die junge Frau an Haus und Kinder nageln sollte - in völliger Abhängigkeit zu ihrem Ehemann - und die gleichzeitig der älteren und alten Frau die Existenzberechtigung verweigert.
Sie entlarvt die sogenannte "Natur der Frau" als soziales und kulturelles Konstrukt, das doch stets als Grund für alle Ungerechtigkeiten bemüht wird, wo sonst kein Grund genannt werden kann. Und dabei belässt sie es nicht: Sie untersucht alle sozialen Zusammenhänge., die Frauen und Männer als solche betreffen, jede gesellschaftliche Konstellation mit der Perspektive auf die Geschlechterverhältnisse. So lässt sie bei der Analyse eines Sachverhaltes nie den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang aus den Augen, und umgekehrt untersucht sie öffentlich diskutierte Probleme - von pädagogischen Reformen über Sexualethik bis zu Krieg und Patriotismus - immer in Hinblick darauf, was sie für Frauen bedeuten. Sie forderte bereits 1873, als eine der ersten in Deutschland, das Stimmrecht für Frauen.

Aktuelle Berichte über Hedwig Dohm: HIER

Einige Auszüge aus dem umfangreichen Werk Hedwig Dohm zu den Themen:
- Frauenbewegung
- Antifeminismus
- Das Stimmrecht für Frauen
- Dohms Frauenideal
- Berufstätigkeit der Frau
- Die Mutterschaft




Hedwig Dohm über die frühe Frauenbewegung:

"Nie sah die Welt eine ehrbarere, bescheidenere Bewegung als diese deutsche Frauenbewegung. Eine Menschenklasse, die sich bemüht, in demütigen Wendungen zu beweisen, dass eigentlich kein ausreichender Grund vorhanden sei, sie Hungers sterben zu lassen! Eine Klasse, die um ihre Existenz wie um ein Almosen bettelt! - Wahrhaftig, ein stolzerer Sinn empört sich gegen dieses Übermaß von Bescheidenheit, und wenig beneidenswert ist der freche Mut oder die blödsinnige Grausamkeit, diese geistig und physisch Notleidenden mit Beschimpfungen zurückzuweisen." In: Was die Pastoren von den Frauen denken, 1872, S.74

Dreißig Jahre später:

"Die Frauenfrage in der Gegenwart ist eine akute geworden. Auf der einen Seite werden die Ansprüche immer radikaler, auf der anderen die Abwehr immer energischer. Letzteres ist erklärlich. Je dringender die Gefahr der Fraueninvasion in das Reich der Männer sich gestaltet, je geharnischter treten ihr die Bedrohten entgegen."
In: Die Antifeministen, 1901, S. 3


Hedwig Dohm über den Antifeminismus:

"Und hier liegt, fürchte ich, eine der Hauptquellen, aus der die Männer ihre verschrobenen Ansichten über die Frau schöpfen: Wenn sie vom "Reiz der Unwissenheit", dem "Zauber der Naivität" sprechen, bevölkert sich ihre Phantasie sofort mit reizenden jungen Mädchen zwischen 16-18 Jahren, während sie die Vorstellung einer wissenschaftlichen, gebildeten Frau nicht von der einer alten und hässlichen Person trennen können. Das Weib hört auf, für sie zu existieren, sobald es ihrem Vergnügen nicht mehr dient." In: Was die Pastoren über die Frauen denken, 1872, S.86f.

"Aber - ich soll ein echtes, ein wahres Weib sein! Was ist denn das: "ein wahres Weib?" Muss ich , um ein wahres Weib zu sein, bügeln, nähen, kochen und kleine Kinder waschen?"
In: Sind Berufstätigkeit und Mutterpflichten vereinbar? 1900

"Siehst du, es gibt Juden, die sind noch antisemitischer als die christlichen Antisemiten; so gibt es auch Frauen, die sind noch antifeministischer als die männlichen Antis."
In: Feindliche Schwestern, 1914


Hedwig Dohm über das Frauenstimmrecht:

"Weil die Frauen Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben. Ich behaupte: weil die Männer keine Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben und ich finde die eine Behauptung mindestens ebenso tiefsinnig wie die andere."
In: Das Stimmrecht der Frauen, 1876, S. 124

"Die Schwachen und Kranken, die Krüppel, die Dummen und die Brutalen (...) sie alle sind wahlberechtigt. (...) Jede Frau, die schreiben und lesen kann, steht an Fähigkeiten über dem Mann, der diese Kunst nicht versteht."
In: Das Stimmrecht der Frauen, 1876, S.118

"Ich frage jeden aufrichtigen Menschen, wären Gesetze wie die über das Vermögensrecht der Frauen, über ihre Rechte an den Kindern, über Ehe, Scheidung u.s.w. denkbar in einem Lande, wo die Frauen das Stimmrecht ausübten? Hätten sie die Macht, sie würden diese Gesetze von Grund auf ändern. (...) Die Frauen haben Steuern zu zahlen wie die Männer, sie sind verantwortlich für Gesetze, an deren Beratung sie keinen Anteil gehabt; Sie sind also den Gesetzen unterworfen, die Andere gemacht. Das nennt man in allen Sprachen der Welt Tyrannei, einfache, absolute Tyrannei, sie mag noch so milde gehandhabt werden, sie bleibt Tyrannei. Die Frau besitzt wie der Sklave alles, was man ihr aus Güte bewilligt."
In: Der Jesuitismus im Hausstande, 1873, S. 168f.


Hedwig Dohm über ihr Frauenideal:

"Mehr Stolz,  ihr Frauen! Wie ist es nur möglich, dass ihr euch nicht aufbäumt gegen die Verachtung, die euch noch immer trifft. - Auch heute noch? Ja, auch heute noch. (...)
Mehr Stolz, ihr Frauen! Der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn." In: Die Antifeministen, 1901, S.164f.

"Wie käme ich dazu, meine ganz individuelle Veranlagung zum Maßstab der ganzen Frauenwelt zu machen? Damit verfiele ich ja in den Fehler der Frauen, die mit sich alle anderen Frauen identifizieren. Nein, die Frauen in ihrer Gesamtheit lassen sich nicht unter einen Hut bringen." In: Reaktion in der Frauenbewegung, 1899, S. 282


Hedwig Dohm über die Berufstätigkeit:

"In Betreff der hergebrachten Meinung über Frauenberuf ist dies meine Ansicht: Alles Reden gegen die Berufstätigkeit der Frau halte ich so lange für Heuchelei, Dummheit oder Egoismus, bis ich einen Kampf entbrennen sehe gegen die Berufstätigkeit der Frauen der niederen Stände.
Zwei Drittel aller Frauen arbeiten, von der Zeit des Altertums bis heu, von den wildesten bis zu den zivilisiertesten Völkern berufsmäßig neben dem Manne.
Diese zwei Drittel für nichts zu achten ist Hochmut oder Barbarei.
So lange nicht der Handwerker die Frau aus seinem Leben oder seiner Werkstatt in Küche und Kinderstube treibt, so lange der Bauer auf dem Felde die Frau an seiner Seite schwitzen lässt, so lange man den Frauen nur die einträglichen, Geld und Ehre einbringenden Beschäftigungen entzieht, ihnen die niederen und mühsamen aber zuweist, damit wenn unverheiratet oder verwitwet, sie der Gesellschaft nicht zur Last fallen, so lange der Staat die Witwe nicht standesgemäß erhält, so lange glaube ich nicht an die Überzeugung, sondern nur an die Heuchelei, den Egoismus, die Barbarei oder die Dummheit der Vertreter der hergebrachten Meinung."
In: Der Jesuitismus im Hausstande, 1873, S.149

"An der Krankenwärterin rühmen die Ärzte gerade ihre Aufopferungsfähigkeit. Merkwürdig! Als Ärztin geht sie derselben verlustig. Reine Taschenspielerei! (...) Bei der Ärztin vernichtet der Anblick menschlichen Leidens die zarte Innigkeit u.s.w. Bei der Krankenwärterin aber scheint der Anblick von blutig eiternden Geschwüren, von Todeskrämpfen und Wimmern "die zarte Innigkeit, das angeborene Mitempfinden" u.s.w. zu verstärken. (...) Die exquisiten, subtilen Begriedigungen, die wissenschaftliche Forschung gewährt, Ehre, Ansehen Geld und nebenbei soviel Weltluft, wie der normale Mensch nötig hat, für den Arzt. - Für die Krankenwärterin: unausgesetzte Verrichtung der niedrigsten, abstoßendsten, todtraurigsten Dinge. Für sie keine Ehre, kein Ansehen (außer etwa vor Gott) und gerade soviel Lohn (...) als sie zur Fristung ihrer Existenz braucht." In: Die Ritter der mater dolorosa, 1897


Hedwig Dohm über Mutterschaft:

"Aber es heißt doch, die Frau soll im Kinde und im Gatten aufgehen. So sonderbar, so widersinnig, dass ich mit meiner eigensten Individualität in meinen Kindern aufgehen soll! Aber meine Kinder, mein Gatte, sie sind doch ganz anders, als ich bin! Mein Ich ist doch gar nicht in ihnen. Wo ist es denn nun, wenn nicht in mir?"
In: Die neue Mutter, 1900.

"Die Emanzipation des Weibes ist das Recht des Kindes."
In: Die Mütter, 1903, S. 24

"Kommt die Vaterschaft des Mannes so wenig in Betracht, warum hat er gesetzlich bei allen Fragen, die das Kind betrifft, Erziehung, Religion, Beruf u.s.w. die ausschlaggebende Stimme?"
In: Die Ritter der mater dolorosa, 1897.