Hedwig Dohms Werk mit einer Übersicht über ihre Publikationen
Das Gesamtwerk der Autorin, das sie in einer Zeitspanne von über fünfzig Jahren veröffentlichte, ist nicht nur in Hinblick auf die Seitenzahl umfangreich, sondern auch in Hinblick auf die bedienten Gattungen: Hedwig Dohm war wahrlich eine Meisterin der Genres.

Neben einigen Märchen verfasste Dohm eine wissenschaftliche Abhandlung über die "Spanische National-Literatur", sechs Bände mit feministisch-politischen Essays, mehrere Lustspiele (vier davon sind erhalten), vier Romane, vier Novellenbände, drei Werke, bei denen sie Mitherausgeberin oder Mitautorin ist, zahlreiche Aphorismen sowie über 80 Artikel, Rezensionen und Novellen in Zeitungen, Zeitschriften und Sammelbänden.
Bekannt ist Dohm vor allem für ihre politischen Essays und Feuilletons, in denen sie antifeministsche Meinungen, die sich als geistiges Allgemeingut, als "Alltagswissen" tarnen, mit der ihr eigenen Ironie und ihrer bestechenden Logik offenlegt und ad absurdum führt. Anlass für ihre Schriften sind nicht selten Äußerungen anerkannter Kapazitäten aus Medizin, Naturwissenschaft und Philosophie wie Möbius, Runge, Nietzsche und Maupassant, deren Thesen und Vorurteile sie humorvoll und gleichzeitig kompromisslos als unhaltbar entlarvt.
Diese Essays prägen bis heute das Bild Hedwig Dohms als scharfsinnige, rhetorisch brillante Autorin und Polemikerin, denn es waren in erster Linie diese Essays, auf die sich die Dohm-Wiederentdeckung im Zuge der Neuen Frauenbewegung im 20. Jahrhundert konzentrierte. Auf der Suche nach feministischen Vorbildern wurden Dohms fiktionale Arbeiten hingegen auf rein feministische Schlagwörter hin gelesen, man erwartete feministische Vorbildfiguren, die Dohm in diesem Sinn nicht lieferte, auch nicht liefern wollte - und man übersah neben dem beträchtlichen Umfang dieses erzählerischen Werks auch die literarischen Juwelen, die es birgt: So ist die Novelle "Werde, die du bist" von 1894 beispielsweise in Sprache, Gestaltung und Thematik eine frühe - und brillante - Arbeit der Moderne, in der Dohm die weibliche Subjekt- und Sprachkrise thematisiert und durch ein Netz von intertextuellen Bezügen zu den Werken Goethes und Nietzsche die den Frauen zugeteilten Rollen(bilder) hinterfragt.
Dadurch, dass man Dohms fiktionales Werk viel zu autobiografisch las, gerieten seine literarischen und ästhetischen Qualitäten lange Zeit gar nicht ins Blickfeld.
Auch in ihrer Erzählprosa thematisiert Dohm zwar die Benachteiligung der Frauen in der Gesellschaft der Jahrhundertwende und hinterfragt die Allgemeingültigkeit einer gesellschaftlichen Ordnung, die Frauen kaum Entwicklungschancen lässt, doch unterscheidet sich ihre Vorgehensweise stilistisch stark von ihren Aufsätzen: Während sie in ihren Essays und Feuilletons ihre LeserInnen direkt anspricht, Missstände offen kritisiert und antifeministische Thesen als unlogisch entlarvt, beschreibt sie in ihren Romanen und Novellen vielmehr das Leben von Frauen mit all seinen Einschränkungen, denen sie unterworfen sind, und zeigt damit implizit die Gründe, die einen Wandel im Gesellschaftssystem erforderlich machen.
Gegen Ende ihres Lebens wird für sie die Thematisierung der Kriegsgreuel des Weltkrieges immer zentraler. So ist auch ihre letzte Arbeit "Auf dem Sterbebett" von 1919, die sie nur wenige Tage vor ihrem Tod verfasst hat, Ausdruck ihres Entsetzens über Kriegsbegeisterung und Kriegsbeschönigung.
Übersicht über Dohms Buchveröffentlichung, nach Genre:
Auf eine Auflistung von Dohms Publikationen in Zeitungen und Zeitschriften wird an dieser Stelle verzichtet, die alleinige Auflistung der Titel füllt ein Buch. Einen exhaustiven Überblick verschafft: Nikola Müller: Hedwig Dohm (1831-1919). Eine kommentierte Bibliografie. Berlin: trafo 2000.
Romane:
- Plein Air, 1891
- Sibilla Dalmar, 1896
- Schicksale einer Seele, 1899
- Christa Ruland, 1902
Novellenbände:
- Frau Tannhäuser, 1890
- Wie Frauen werden. Werde, die du bist. 1894
- Schwanenlieder, 1906
- Sommerlieben. Freiluftnovellen, 1909
Essaybände:
- Was die Pastoren von den Frauen denken, 1872
- Der Jesuitismus im Hausstande, 1873
- Die wissenschaftliche Emancipation der Frau, 1874
- Der Frauen Natur und Recht, 1876, erweitere Neuauflage 1893
- Die Antifeministen, 1901
- Die Mütter, 1903
Theaterstücke:
- Der Seelenretter, 1876
- Vom Stamm der Asra, 1876
- Ein Schuss ins Schwarze, 1878
- Die Ritter vom goldenen Kalb, 1879
Wissenschaftliche Arbeiten:
- Die Spanische National-Literatur in ihrer geschichtlichen Entwickelung. Nebst den Lebens- und Charakterbildern ihrer classischen Schriftsteller und Proben aus den Werken derselben in deutscher Übertragung. Berlin: Gustav Hempel Verlag, 1867
Anthologien, als Herausgeberin:
- Lust und Leid im Liede, 1879
- Ehe? Zur Reform der sexuellen Moral (zus. mit Anita Augspurg und Helene Stöcker), 1911
- Als unsere großen Dichterinnen noch kleine Mädchen waren, 1912