Das WErk von Hedwig Dohm
Eine Meisterin ihres Genres
Hedwig Dohm war eine Meisterin der Genres. Ihr beeindruckend vielfältiges Œuvre erstreckt sich über mehr als fünf Jahrzehnte und zeigt eine außergewöhnliche Bandbreite der Gattungen.
Neben ihren journalistischen Texten und politischen Arbeiten hinterließ sie Romane, Novellen, mehrere Theaterstücke, Aphorismen und sogar Märchen.
politische Essays
Brillante Polemikerin
Bekannt wurde sie vor allem durch ihre politischen Essays und Feuilletons, in denen sie antifeministische „Alltagsweisheiten“ mit scharfem Witz und präziser Logik zerlegt. Oft reagierte sie auf Äußerungen prominenter Wissenschaftler und Intellektueller wie Möbius, Runge, Nietzsche oder Maupassant – und entlarvte deren Thesen humorvoll und kompromisslos als unhaltbar.
Diese Essays prägten lange das Bild Dohms als brillante Polemikerin, denn die Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich bei ihrer Wiederentdeckung fast ausschließlich auf diese Texte.
Ihr fiktionales Werk hingegen wurde häufig nur auf feministische Schlagwörter hin gelesen – und dadurch missverstanden. Man erwartete Vorbildfiguren, die Dohm bewusst nicht liefern wollte, und übersah die literarische Qualität ihrer Prosa.
Erzählerisches Werk
Echte Juwelen
Ihr erzählerisches Werk enthält echte Juwelen: Die Novelle Werde, die du bist (1894) ist eine frühe, brillante Arbeit der literarischen Moderne. Dohm thematisiert darin die weibliche Subjekt- und Sprachkrise und verknüpft intertextuelle Bezüge zu Goethe und Nietzsche, um die tradierten Rollenbilder von Frauen zu hinterfragen.
Dass Dohms Prosa lange autobiografisch rezipiert wurde, verdeckte ihre ästhetische Raffinesse. Zwar thematisiert sie auch in ihren Romanen und Novellen die gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen, doch tut sie dies stilistisch mit anderen Mitteln als in ihren Essays: Nicht durch direkte Ansprache und offene Kritik, sondern durch die Darstellung weiblicher Lebensrealitäten, die die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderung erlebbar machen.
spätes Werk
Die Schrecken des Ersten Weltkriegs
Gegen Ende ihres Lebens rückten die Schrecken des Ersten Weltkriegs in den Mittelpunkt ihres Schreibens. Ihre letzte Arbeit, Auf dem Sterbebett (1919), wenige Tage vor ihrem Tod verfasst, ist ein eindringlicher Ausdruck ihres Entsetzens über den Krieg.

Mehr zu Dohms Werk in:
Nikola Müller
Hedwig Dohm – 1831–1919
Eine kommentierte Bibliografie